textband backstage – Lust am Experiment

Mit der Premiere von ›Inferno‹ startete am Montag, den 14.5.2012, das Strindberg-Festival vom Studio Theater Stuttgart. Wir haben die vergangenen Tage noch genutzt, unserer Festival-Produktion textband spielt: ich träumte von august strindberg den letzten Schliff zu verpassen und freuen uns nun vor Publikum zu spielen.

Nicht nur ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Sebastian macht Soundscapes am Mikrofon.

Ring frei für den ›Kampf der Geschlechter

Für das Festival haben wir Strindbergs Gedicht »Ich träumte« ausgewählt, da es exemplarisch pointiert vom Träumer und Visionär August Strindberg erzählt und eines seiner großen Themata behandelt: den ›Kampf der Geschlechter‹.  Das Gedicht, entstanden um 1904, fällt in die schöpferische Spätphase seines Schaffens und ist eine hellsichtige Selbstanalyse – die poetisch-alptraumhafte Beschreibung eines Ringkampfes mit sich und dem anderen Geschlecht.

Öfter mal was Neues. Oliver hat für die Produktion ein neues Musikinstrument gelernt: Den Tractor.

Lust zu experimentieren – Mit Tanz, Live-Electronics, Live-Visuals und Stimme die Form des Traumes nachbilden

Aus künstlerischer Perspektive hat uns die Auseinandersetzung mit seinen theater- und kunsttheoretischen Visionen gereizt, so wie er sie in seinem Aufsatz »Neue Kunstformen! oder Der Zufall im künstlerischen Schaffen« und in der Vorbemerkung zu seinem »Ein Traumspiel« niedergelegt hat.  Strindberg wollte die Form des Traumes nachbilden – eine künstlerische Praxis, die sich später im Surrealismus vollends entfaltete. In diesem Sinne wandeln wir auf Strindbergs Spuren und verdichten in unserer Performance sein Gedicht »Ich träumte« zu einem tänzerisch-visuell-musikalisch-sprachlichen Assoziationsraum, der, so O-Ton Strindberg, in der

„… Phantasie weiter schafft und neue Muster webt: ein Gemisch von Erinnerungen, Erlebnissen, freien Erfindungen, Ungereimtheiten und Improvisationen.“ (Zitatquelle: Vorbemerkung zu »Ein Traumspiel«).

Der Tisch ist gedeckt für Traumbilder: Anja an ihrem Live VJ-Set.

Improvisieren auf Basis vorher festgelegter Muster und Regeln

Das Element der Improvisation spielt eine nicht unwesentliche  Rolle bei unserem Bestreben, die verschiedene Kunstformen im „Live“-Moment miteinander zu einem sich gegenseitig bedingenden Ganzen zu verbinden. Wie eine Jazz-Combo, die nach vorher festgelegten und mehr oder weniger geprobten Regeln, miteinander ins musikalische Gespräch tritt, loten wir diesmal das Experimentierfeld aus, Musik, Tanz, Bild und Stimme in ein Gespräch treten zu lassen, um Strindbergs Worten Leben einzuhauchen.

Bei jeder Performance führen Alexandra, Anja, Oliver und Sebastian also stets einen neuen Dialog und spielen miteinander auf der Basis der in der Probenzeit festgelegten Muster und Regeln.  Insbesondere Tänzerin Alexandra ist in dieser Hinsicht besonders gefordert. Es gibt keine einstudierte Choreografie. Das Element Tanz, das bei dieser Arbeit eine große Rolle spielt, folgt ganz dem Wesen der Improvisation.

Nicht im Schatten, sondern im Rampenlicht umgeben von Schatten: Alexandra bei der Probe.

textband credits:

Regie und Konzept: Marcus Kohlbach
Tanz: Alexandra Mahnke
Live-Electronics: Oliver Prechtl
Live-Visuals: Anja Abele
Sprecher: Sebastian Schäfer

Mehr Infos über die Utopienwerkstatt, über textband und die aktuellen Spieltermine am Fr 18.5., Mi 23.5. und Sa 26.5.2012:
www.utopienwerkstatt.culturebase.org

Kampf der Geschlechter. Illustration für das Strindberg-Festival von Aurele Mechler.

Bildergalerie

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