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Utopisches Denken und dramaturgisches Denken: Die Ver-dichtung der Wirklichkeit

Aus dem Impulsreferat “Wie bringt dramaturgisches Denken Welt und Wirklichkeit ins Theater” von Hans-Peter Frings.

Der vollständige Text findet sich hier: dramablog.de.

Theater ist ein Denk- und Erfahrungsraum zur Überprüfung, Infragestellung und Veränderung unserer Wahrnehmung von Wirklichkeit und unserer Haltung zur Welt. Für heutiges dramaturgisches Denken beinhaltet das [...] neue Textdramaturgien sowie ein neues Textverständnis zu entwickeln, aber auch ein verändertes Bewusstsein für das Verhältnis des Theaters zur Welt: Das Theater repräsentiert nicht (mehr) andere Wirklichkeiten (Politik, Wirtschaft, Soziales) und überführt sie in das System Kunst, sondern es schafft zuallererst seine eigene, künstlerische Wirklichkeit. Es erfolgt eine Funktionsverschiebung: Anstelle der Repräsentation im Sinne einer „Als-ob-Realität“ tritt die Präsentation des hier und jetzt stattfindenden szenischen Ereignisses.
[...]
Dramaturgisches Denken [...] zielt auf ein Theater, das Wirklichkeit nicht einfach wiedergibt, sondern so verdichtet, dass sich das Publikum mit seiner Lebensrealität darauf beziehen kann, um angebotene Perspektiven zu prüfen, zu verwerfen, Alternativen dazu zu entwickeln. Das wäre der Punkt, an dem dramaturgisches Denken in utopisches Denken umschlägt.

Wer mehr wissen will über den von Hans-Thies Lehmann geprägten Begriff “postdramatisches” Theater, auf den sich Hans-Peter Frings bezieht, der kann sich z.B. auf theatertheorie.net über die wichtigsten heutigen Denkansätze informieren. Nach erfolgter kostenloser Anmeldung steht ein einem das Angebot der Website zur Verfügung. Das Besondere: Die dort dokumentierten Vorträge von Hans-Thies Lehmann, Stefan Hulfeld und Erika Fischer-Lichte werden durch anschauliche Praxisbeispiele ergänzt.

Claudio Magris erhält Friedenspreis

“Die uns bevorstehende Zukunft liegt noch im Nebel und verlangt daher einen Blick, der trotz seiner unvermeidlichen Kurzsichtigkeit durch Demut und Selbstironie ein wenig weitsichtiger wird.”

Dieses Zitat stammt aus einem Essay von Claudio Magris: “Utopie und Entzauberung” ist ein erfrischendes Plädoyer für die Notwendigkeit der Utopie. “Don Quijote braucht Sancho Pansa”, sagt Claudio Magris und meint damit, daß sich pragmatischer Realitätssinn und utopisches Denken gegenseitig stützen sollten, anstatt sich feindlich gegenüber zu stehen. Claudio Magris wurde vor kurzem mit dem Friedenspreis gehrt. Gratulation!

Infos zum Essay:
Claudio Magris, “Utopie und Entzauberung” in Utopie und Entzauberung. Geschichten, Hoffnungen und Illusionen der Moderne, München (2002), S.8 -18.